Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Zehn Thesen zur ökonomischen Bildung am Gymnasium

In: Bertelsmann Stiftung, Heinz Nixdorf Stiftung, Ludwig-Erhard-Stiftung (Hg.) (1999):
Wirtschaft in der Schule. Eine umfassende Analyse der Lehrpläne für Gymnasien.
Entstanden im Rahmen des Pilotprojektes "Wirtschaft in die Schule!"
Verfasst von: Hans Jürgen Schlösser und Birgit Weber. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.

  1. Die Forderung nach ökonomischer Bildung als Allgemeinbildung für alle Schüler - auch am Gymnasium - ist bundesweit noch nicht umfassend eingelöst.
  2. Ökonomische Bildung am Gymnasium ist auf verschiedene Schulfächer fragmentiert und zeitlich häufig auf eine zehnstündige Unterrichtseinheit in der Mittelstufe und eine Halbjahreseinheit in der Oberstufe beschränkt. Sie ist damit in vielen Bundesländern nicht systematisch verankert. Dem Stellenwert der Ökonomie im Zeitalter der Globalisierung entsprechend, müssen Schüler ökonomische Bildung aber systematisch und strukturiert erwerben können.
  3. Ökonomische Bildung am Gymnasium ist in vielen Bundesländern auf verschiedene Fächer verteilt und die Zusammenarbeit zwischen ihnen ist verbesserungsbedürftig.
  4. Die Fragmentierung der ökonomischen Bildung auf verschiedene Schulfächer behindert den Erwerb von strukturiertem Wissen und das Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen und fördert ökonomisches Halbwissen.
  5. Ökonomische Bildung bedarf eines strukturierten und auf wirtschaftliche Zusammenhänge konzentrierten Unterrichts. Er ist die Voraussetzung dafür, dass an Gymnasien die notwendigen wirtschaftlichen Grundlagen deutlich verbessert werden können.
  6. Ankerfach für ökonomische Bildung am Gymnasium kann ein Fach Wirtschaftswissenschaft sein.
  7. Aber auch Integrationsfächer bzw. Kombinationsfächer wie Sozialwissenschaft oder Wirtschaft und Recht sind geeignet, ökonomische Bildung am Gymnasium zu verankern. Wichtiger als die Fachbezeichnung ist die systematische Verankerung wirtschaftlicher Bildung. Entscheidend ist, ob die Schüler mit einer ökonomischen Rudimentärbildung [/S. 47:] abgefertigt werden oder ob sie die notwendigen wirtschaftlichen Grundlagen erwerben können.
  8. Ökonomische Bildung am Gymnasium bedarf einer angemessenen Verankerung auch in der Stundentafel. Jedes Bundesland hat in seinen Lehrplänen Themenkomplexe für ökonomische Bildung vorgesehen, aber häufig sind diese vom Stundenaufkommen her unbedeutend.
  9. Fächer wie Geschichte oder Geografie verfolgen andere Bildungsziele und sind daher nicht geeignet, angemessen ökonomische Bildung zu leisten.
  10. Ökonomische Bildung am Gymnasium ist im Zusammenhang von Lehrerausbildung, Lehrplänen und Schulpraxis zu sehen. In allen drei Bereichen bestehen Defizite, dies gilt besonders für die Lehrpläne einiger alter Bundesländer sowie für die Lehrerausbildung in den neuen Bundesländern.

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Letzte Änderung am 18.01.2011


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