Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Tagungsband 2012

Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung

Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II

Hrsg. Thomas Retzmann

Wochenschau Verlag Schwalbach / Ts. 2013

333 Seiten, 34,80 Euro

ISBN: 978-3-89974-841-3

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung setzt sich für eine bessere Ökonomische Bildung in der Schule ein, indem sie die wirtschaftsdidaktische Forschung und Entwicklung vorantreibt. Sie fördert den wissenschaftlichen Diskurs in der Wirtschaftsdidaktik durch die Ausrichtung wissenschaftlicher Tagungen, diesmal zum Thema Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II. Diese ist bisweilen noch Programmatik, in manchen Bundesländern aber auch curriculare Realität und auf jeden Fall von wachsender Bedeutung.

In insgesamt 25 Beiträgen widmen sich die Wirtschaftsdidaktiker, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz den besonderen Bedingungen, den Chancen und Herausforderungen der Ökonomischen Bildung in dieser Schulstufe. Zum einen problematisieren sie die institutionellen, personellen und curricularen Rahmenbedingungen sowie die schülerseitigen Ausgangsvoraussetzungen des Ökonomieunterrichts. Zum anderen thematisieren sie das Ziel der Studien- und Berufsorientierung und damit die so genannten Übergangsprobleme. Weitere Abhandlungen fokussieren schließlich vielfältige Aspekte der Ökonomischen Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II.

Dieser Band ist mit seiner Konzentration auf die Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II einzigartig und daher ein Muss für Alle, die bei der curricularen Gestaltung der ökonomischen Domäne wissenschaftlichen Rat suchen. Sie finden darin eine Fülle von Anregungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.

 

Inhalt


I. Fachdidaktische Konzeptionen, institutioneller Rahmen und empirische Befunde
Rolf Dubs Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II
Volker Bank Bedürfnis, Bedarf, Nachfrage … ein guter Anfang?
Udo Hagedorn, Sabrina Berg Curriculare Konstruktionsunterschiede zwischen ökonomischer Bildung in der Sekundarstufe II an allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien – eine Lehrplananalyse
Iris Bölke, Thomas Retzmann Das Fach Volkswirtschaftslehre am Weiterbildungskolleg in Nordrhein-Westfalen
Vera Kirchner, Dirk Loerwald Ökonomische Bildung im Zentralabitur
Eine qualitative Inhaltsanalyse der Zentralabituraufgaben 2007-2011
Alfons Schmid, Nils Beckmann, Miriam Sophie Wiesen Ökonomische Bildung in Hessen – Ökonomiestudium für das Lehramt an Gymnasien
Franziska Birke Was wandelt sich beim konzeptuellen Wandel?
Carmela Aprea Alltagsvorstellungen von Jugendlichen zu komplexen ökonomischen Phänomenen: Eine explorative Untersuchung am Beispiel der Wirtschafts- und Finanzkrise
Tim Engartner Die Bedeutung der Einstellungsforschung am Beispiel einer explorativen Studie zur Wettbewerbs- und Fairnessaffinität von Schülerinnen und Schülern
Sandra Hofhues Entwicklung sozio-ökonomischer Kompetenzen im Kontext schulischer Projektarbeit.
Klaas Macha, Michael Schuhen ECOS – Ein unter Gendergesichtspunkten fairer Test allgemeiner ökonomischer Kompetenzen
II. Studien- und Berufsorientierung in der Sekundarstufe II
Eberhard Jung Studien- und Berufsorientierung in der Sekundarstufe II
Rudolf Schröder, Rebecca Stabbert, Christina Schnell BOGn – Berufsorientierung an allgemeinbildenden Gymnasien
Lothar Beinke Abstimmung zwischen Schule und Betrieben in Betriebspraktika
Lothar Beinke Auszubildende als Paten – Berufsfindungsprobleme Jugendlicher
Athanassios Pitsoulis, Franziska Flachsbarth Diskrepanzen im Vorwissen Studierender in mathematisch-naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagenmodulen
III. Ausgewählte Aspekte der Ökonomischen Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II
Julia Breßler Der Autozipient im wirtschaftskundlichen Unterricht der Sekundarstufe II
Björn Egbert, Katja Richter Unternehmerisches Handeln von Schülerinnen und Schülern als Leitziel der allgemeinen ökonomischen Schulbildung
Wolfgang Geise Konsument-Marke-Beziehungen als Thema im verbrauchererzieherischen Unterricht
Nadja Höckesfeld Möglichkeiten und Grenzen bilingualen Ökonomieunterrichts
Tobias Krippendorff, Karsten Schröder Wissenschaftliche Weiterbildung – Eine Möglichkeit zur Vermittlung ökonomischer Bildung
Andreas Liening, Sabrina Zardini Chancen einer situationsorientierten Ökonomischen Bildung
Michael-Burkhard Piorkowsky „Alltags- und Lebensökonomie“ als ökonomische Grundbildung in berufsbildenden Schulen
Thomas Retzmann, Karin Krzatala Sozialökonomische Kartographierung am Beispiel des Dopings im Spitzensport
Claudia Wiepcke Qualitätssicherung ökonomischer Bildungsmaßnahmen – Eine Analyse
   
Autorinnen und Autoren  

Vorwort

 

Für eine bessere Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II

Die Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung setzt sich seit jeher für eine bessere Ökonomische Bildung in der Schule ein, indem sie die wirtschaftsdidaktische Forschung und Entwicklung vorantreibt. Sie fördert den wissenschaftlichen Diskurs in der Wirtschaftsdidaktik unter anderem durch die Beteiligung an sowie vor allem die Ausrichtung von wissenschaftlichen Tagungen. In diesem Rahmen präsentieren insbesondere ihre Mitglieder neue Konzepte für und empirische Befunde zur Ökonomischen Bildung und setzen diese der kritischen Diskussion aus.

Die Jahrestagung 2012 fand an der Technischen Universität Chemnitz statt. Sie stand unter dem Rahmenthema „Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II“ und widmete sich den besonderen Bedingungen, den Chancen und Herausforderungen der Ökonomischen Bildung in dieser Schulstufe. Die Ökonomische Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II ist bisweilen noch Programmatik, in manchen Bundesländern aber auch curriculare Realität und zudem von wachsender Bedeutung in vielen Schulen.

Erfreulicherweise haben wiederum einige Gastreferenten, die sich vom Tagungsthema angesprochen fühlten, das Spektrum der Beiträge bereichert. Zu ihren Tagungen lädt die Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung aber auch gezielt Nicht-Mitglieder z. B. als Impulsgeber und Critical Friends ein. In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf die Keynote von Prof. Dr. Rolf Dubs zu verweisen, dem dafür zu danken ist, dass er Erfahrungen aus der Schweiz zu den Fortschritten und Rückschlägen bei der Implementierung der Ökonomischen Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II der schweizerischen Gymnasien einbrachte.

Mit dem vorliegenden Band werden die zum Tagungsthema gehaltenen Vorträge der interessierten Öffentlichkeit verfügbar gemacht. Die Jahrestagung 2012 war die vortragsstärkste in der Geschichte dieser wissenschaftlichen Gesellschaft. Dem entsprechend fällt der Umfang dieses Bandes aus. In Summe sind es 25 Beiträge von 37 Wirtschaftsdidaktikern und -pädagogen sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern aus Deutschland und der Schweiz. Schon angesichts einer solchen Zahl an Beiträgen können sie hier nicht einzeln, sondern nur summarisch gewürdigt werden. Dies ist aber auch in Anbetracht ihrer thematischen Vielfalt der Fall. Aufgrund des Stufenbezuges der Tagung wurden von den Wissenschaftlern nämlich wie erwartet inhaltlich sehr vielfältige Themen bearbeitet. Das Spektrum reicht von Beiträgen, die sich mit den institutionellen, personellen und curricularen Rahmenbedingungen sowie den schulischen und schülerseitigen Bedingungen des Ökonomieunterrichts in dieser Schulstufe auseinandersetzen, über Beiträge, die das Ziel der Studien- und Berufsorientierung aufgreifen und den Übergang in Berufsausbildung bzw. Studium thematisieren, bis zu Beiträgen, die ausgewählte Aspekte der Ökonomischen Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II fokussieren.

Der Band ist dementsprechend in drei Bereiche gegliedert:

I. Fachdidaktische Konzeptionen, institutioneller Rahmen und empirische Befunde
II. Studien- und Berufsorientierung in der Sekundarstufe II
III. Ausgewählte Aspekte der Ökonomischen Allgemeinbildung in der Sekundarstufe II

Die Quantität ebenso wie die wissenschaftliche Qualität der Beiträge belegt eindrucksvoll, dass die Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung die erste Adresse der wissenschaftlichen Wirtschaftsdidaktik in Deutschland ist. Man darf wohl ohne Übertreibung feststellen, dass die wissenschaftliche Fundierung und fachdidaktische Erforschung der Ökonomischen Bildung nirgendwo in Europa ausgeprägter ist als innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung. Bildungs- und Schulpolitiker, die bei ihrer nicht ganz anspruchslosen Aufgabe der curricularen Gestaltung dieser Domäne Rat suchen, finden hier die beste Orientierung.

Die deutsche Wirtschaftsdidaktik hat dabei die empirische Wende vollzogen. Dies zeigen – wie schon im Vorjahr – die zahlreichen empirischen Beiträge zu diesem Band, die teils auf der Anwendung qualitativer und teils auf der Anwendung quantitativer Methoden basieren. Einer besonderen Erwähnung wert ist es in diesem Zusammenhang, dass der wissenschaftliche Nachwuchs viele empirische Studien beisteuert, denn die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Wirtschaftsdidaktik ist eines der satzungsmäßigen Ziele der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung.

Die allgemein gestiegene Wertschätzung für die empirische Forschung im Bereich der Fachdidaktiken sollte allerdings nicht in einen Methoden-Monismus umschlagen, denn programmatische Beiträge haben in den Fachdidaktiken immer noch zu Recht ihren Platz. Immerhin geht es in der Schule um Bildung, und diese ist ohne zugrunde liegende Wertentscheidungen nicht möglich. Daher ist es nur zu begrüßen, dass der vorliegende Band auch programmatische Ideen zur Weiterentwicklung der schulischen Ökonomischen Bildung enthält. Allerdings ist die von der Wissenschaft zutage geförderte empirische Evidenz dann doch geeignet, allzu idealistische Vorstellungen von Ökonomischer Bildung, wie sie manchmal jenseits der Wissenschaft anzutreffen ist und bei denen lediglich der Wunsch der Vater des Gedankens ist, ihrer Weltabgehobenheit zu entlarven. An solchen Visionen oder Utopien praktischer Pädagogik entfachen sich gesellschaftliche Kontroversen naturgemäß besonders leicht. Sie bleiben im besten Fall fruchtlos, weil es an Bodenhaftung fehlt. Im schlimmsten Fall sind sie gefährlich, weil die Verführung gelingt.

Leider ist die Ökonomische Bildung aber – wie andere Felder schulischer Bildung auch – Gegenstand der Einflussnahme von Interessengruppen, die statt Aufklärung der Schülerinnen und Schüler eher eine Verklärung des Gegenstandes „Wirtschaft“ betreiben. Die Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung fühlt sich dagegen – anders als gesellschaftliche Interessengruppen, Initiativen und Organisationen, die mit ihnen eng vernetzt sind, – als wissenschaftliche Vereinigung den weithin anerkannten ethischen Standards guter Wissenschaft verpflichtet. Sie ist parteipolitisch neutral und verfolgt gemäß Satzung ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Die Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung setzt sich in Forschung und Lehre auch zukünftig nachhaltig für die bestmögliche Ökonomische Bildung der Schülerinnen und Schüler ein – unter Beachtung der Maßstäbe wissenschaftlicher Lauterkeit. Bleibt zu hoffen, dass die Bildungs- und Schulpolitik – trotz oftmals gegenteiliger Erfahrungen – sich nicht von bisweilen lautstark lärmenden Lobbyisten und Pressure Groups beeinflussen lässt, sondern von wissenschaftlichen Erkenntnissen – zum Beispiel solchen, wie sie in diesem eindrucksvollen Band enthalten sind.

Mein Dank gilt Frau Iris Bölke und Herrn Marc Benjamin Bühl, die die eingereichten Manuskripte bis zur Druckreife weiterverarbeitet haben.

Thomas Retzmann
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für ökonomische Bildung


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Letzte Änderung am 12.02.2013


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