Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung

Tagungsband 2002

Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung

Monetäre Fragen der europäischen Integration

hrsg. von Hans Jürgen Schlösser

Mit Beiträgen von Hans-Jürgen Albers, Wolfgang Geise, Dietmar Krafft/Claudia Wiepcke, Andreas Liening, Ulrich Wiethaup, Helmut Woll

Bergisch Gladbach 2002

Inhaltsverzeichnis

Hans-Jürgen Albers Währungsunion und Osterweiterung. Zur wirtschaftlichen Entwicklung der EU 1
Wolfgang Geise Impulsives Kaufverhalten und seine Folgen für den Verbraucher 37
Dietmar Krafft,
Claudia Wiepcke
Der Euro - Spielball des politischen Aktionismus 63
Andreas Liening Der Euro - Über die Schwierigkeiten der neuen Währung 85
Ulrich Wiethaup Erfahrungen in den Schulen mit dem Thema "Einführung des Euro". Vortrag am 22. Februar 2002 119
Helmut Woll Bildung und europäisches Geld 135

Editorial

Im Jahr 2002 hat die Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung ihre Jahrestagung und ihren Jahresband einmal mehr der europäischen Wirtschaftspolitik gewidmet, genauer: der Europäischen Währungsunion. Die im folgenden Band vertretenen Autoren behandeln das Thema in einer Weise, die charakteristisch ist für Wissenschaftler, welche wirtschaftswissenschaftliche mit fachdidaktischen Überlegungen zu vereinen suchen. In mehreren Beiträgen wird das Thema in kulturtheoretische Überlegungen eingebettet, wirtschaftswissenschaftliche Theorien werden aus bildungstheoretischer Perspektive befragt, Begriffe wie Mündigkeit, Verantwortung und Kommunikation spielen eine wesentliche Rolle. Freilich legen die einzelnen Autoren die Schwergewichte dabei unterschiedlich.

Hans-Jürgen Albers zeichnet zunächst den Integrationsprozess Europas von den römischen Verträgen bis zur Wirtschafts- und Währungsunion nach und betont dabei die Schrittmacherrolle der monetären Integration. Seine insgesamt optimistische Einschätzung relativiert Albers durch eine kritische Beurteilung der Praxis, welche die Vorbereitungen zur Osterweiterung kennzeichnet. Insgesamt arbeitet Albers deutlich die inhaltlichen Aspekte des monetären Integrationsprozesses heraus, welche ökonomische Bildung zu beachten hat.

Dietmar Krafft und Claudia Wiepcke vertreten, anders als Albers, eine skeptische Position zur monetären Integration. Sie befassen sich mit dem aus fachdidaktischer Sicht relevanten Spannungsverhältnis von "gefühlter Teuerung" und statistisch gemessener Inflation und kommen zu dem Ergebnis, dass die - höhere - "gefühlte" Inflationsrate reale Berechtigung hat. Kritisch beleuchten Krafft und Wiepcke auch den Stabilitätspakt und schließen damit, dass die Osterweiterung preistreibende Effekte aufweisen werde.

Wolfgang Geise begibt sich in eine etwas weitere Umlaufbahn zum Generalthema und behandelt einen Spezialaspekt der Konsumtheorie: den Impulskauf. Er liefert wichtige Hintergrundinformationen und -theorien. Geises Hinweise auf negative Folgen von Impulskäufen sind gerade im Hinblick auf die neue Währung von Interesse.

Im Mittelpunkt des Beitrages von Andreas Liening steht das Problem, dass eine gemeinsame Währung eingeführt wird ohne gemeinsame Wirtschaftspolitik und ohne politische Union. Er bettet sein Thema in historische und anthropologische Fragestellungen ein. In seinem Fazit betont Liening Vertrauenswürdigkeit, Eindeutigkeit und Perspektivenklarheit als Anforderungen an eine erfolgreiche Währungsunion.

Ulrich Wiethaup widmet sich auf empirische Weise unserem Thema. Zunächst untersucht er kurz die curriculare Verankerung der Währungsunion und verfolgt die Behandlung dieses Themas durch Beobachtungen, Befragungen und Internetrecherchen, wobei Wiethaup immer wieder weiteren Forschungsbedarf aufdeckt. Telefonische Befragungen bei Ministerien, Analyse aktueller Lehrefortbildung, der Angebote auf den Bildungsservern der Länder, besonders auch die Untersuchung von Veranstaltungen des Schule-Wirtschaft-Arbeitskreises führen Wiethaup zu einer im Trend positiven Beurteilung der Behandlung des Themas - jedenfalls soweit dies ohne direkte Unterrichtsbeobachtung möglich ist. Ein wichtiges Fazit zieht Wiethaup, wenn er darauf hinweist, dass der Euro keinesfalls isoliert zu behandeln, sondern im Konzepte der ökonomischen Bildung einzubetten ist.

Helmut Woll geht von der verstehenden Methode und einem bildungstheoretischen Ansatz aus. Er untersucht Geld als Kulturphänomen und wirft den Blick auf Geschichte und Literatur. Eine besondere Rolle spielt dabei die paneuropäische Idee, aus wirtschaftstheoretischer Sicht nehmen Mundells Theorie optimale Währungsräume und die Quantitätsgleichung zentrale Plätze ein. In seinem Fazit betont Woll die Bedeutung des verantwortungsbewussten Handelns und der Perspektivenklarheit.

Hans Jürgen Schlösser

Vgl. auch Europa - Herausforderung für die ökonomische Bildung, hrsg. von Klaus-Peter Kruber, Bergisch-Gladbach 1998


ll


Letzte Änderung am 18.01.2011


337239